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Fünfter Mai – Europäischer Protesttag der Menschen mit Behinderung

Warum ist dieser Tag heute noch notwendig?
Ich schreibe diesen Artikel aus der Perspektive einer Person, die selbst von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen ist. Ich bin Rollstuhlfahrer und stark
sehbehindert.
Personen mit einem Handicap, die in irgendeiner Art und Weise durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung eingeschränkt sind, möchten wie jeder andere
Mensch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Aber durch physische Barrieren und Barrieren in den Köpfen werden sie oft an dieser gleichberechtigten Teilhabe gehindert.
Genau deshalb muss immer wieder, insbesondere an diesem Tag darauf aufmerksam gemacht werden.

Aber es gibt natürlich auch gute Beispiele, wie Barrierefreiheit in unserer Havelstadt gelingen kann. Dieses möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Unsere städtischen Verkehrsbetriebe haben schon viele Haltestellen für Bus und Bahn so umgestaltet, dass Personen mit Mobilitätseinschränkungen ohne große Barrieren in
die Straßenbahn oder Bus gelangen können. Dazu wäre es wichtig, dass die Straßenbahnfahrer darauf achten, dass die barrierefreien Rampen an den Ein- und
Ausstiegen angelegt werden, dass auch alle Rollifahrer ohne fremde Hilfen in die Straßenbahn ein- und aussteigen können. Jetzt wäre es wichtig, dass die neuen Straßenbahnen, welche ab Mitte des Jahres eingesetzt werden sollen, auch so gebaut sind, dass Personen mit Mobilitätseinschränkungen sie auch problemlos nutzen können. (Niederflurbahnen)

Leider gibt es auch immer wieder Beispiele, wo an die Barrierefreiheit nicht gedacht wird. Hier muss ich den Brandenburger Weihnachtsmarkt benennen, der jedes Jahr im Advent aufgebaut wird. Es besteht hier seit mehreren Jahren, die Schwierigkeit, dass Personen mit Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühlen beim Ausstieg an der Bushaltestelle Neustädtischer Markt, erst auf die Straße gelangen, weil der Gehweg durch den
Weihnachtsmarkt gesperrt ist. Trotz mehrmaliger Ansprache der Behindertenbeauftragten unserer Stadt ist in den letzten zwei Jahren in dieser Hinsicht nichts passiert. In dieser Sache ist auch der Behindertenbeirat der Stadt gefordert, die Barrierefreiheit durchzusetzen.

Ein zweites negatives Beispiel sind die Kabelbrücken, die bei Märkten und Festen in dieser Stadt, genutzt werden. Sie sind schwer zu überfahren. Hier wäre es günstiger, wenn die Stadt Kabelmatten anschaffen und nutzen würde. Diese wäre eine deutliche Erleichterung für die genannte Personengruppe. Es gibt eine Reihe von gesetzlichen Bestimmungen, die „Nur“ noch in die Praxis umgesetzt werden müssen. Dazu braucht es Mut, Willen der Gemeinschaft und
natürlich auch die notwendigen Finanzen. Zu nennen seien hier die UN- Behindertenrechtskonvention, die vor nunmehr 16 Jahren auch von Deutschland ratifiziert wurde, die Verfassung des Landes Brandenburg, Art.12 und der Teilhabeplan der Stadt Brandenburg, dessen Erarbeitung vor 11 Jahren durch die
damalige Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen wurde.

Meine Frage: Warum wird der Teilhabeplan nicht umgesetzt bzw. nicht weiter fortgeschrieben?
Hier sehe ich die Stadt, gemeinsam mit der Behindertenbeauftragten und dem Beirat für Menschen mit Behinderung in der Pflicht, dieses umzusetzen. Jetzt seid Ihr, liebe Betroffene, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen gefragt. Zeigt der Stadt, wo Eure Probleme sind. Nehmt an Veranstaltungen teil!
Geht in die Öffentlichkeit!

Unter dem Motto “Gemeinsam unschlagbar“ hat die Lebenshilfe Brandenburg-Potsdam mit ihrem Vorstand Matthias Pietschmann für den 05. Mai 2025 einen Protestmarsch
organisiert. Dieser beginnt um 12.30 Uhr am Altstädtischen Markt und führt zum Neustädtischen Markt. Dort findet um 13.00 Uhr eine Kundgebung statt.

Herbert Liebenow