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Ein Demokratiefest – 1. Versuch

Auf Initiative von Martin Scherbarth (Volt Europa) fand am Sonntag, dem 18.10.2026, im Bürgerhaus Hohenstücken eine Veranstaltung unter dem Titel „Hohenstücken gemeinsam voranbringen“ statt.
Die Einladung ging an alle Einwohner der Stadt und an die Vertreter der demokratischen Parteien. Angesprochen fühlten sich vor allem Mitglieder und Sympathisanten der SPD, der Grünen, der Linken und von Volt.
Die Bezeichnung „Demokratiefest“ war vielleicht nicht ganz glücklich gewählt für das Vorhaben, sich zwischen 10:00 und 15:00 Uhr bei Kaffee und Blechkuchen zu ungezwungenen Gesprächsrunden zusammenzufinden und sich über den Zustand unserer Demokratie und die Probleme von Hohenstücken auszutauschen. Erfreulicherweise war der Redebedarf der etwa 40 Besucher, die im Laufe des Tages vorbeikamen, so groß und das Themenspektrum so breit gefächert, dass wohl jeder einen Zugewinn an Erkenntnissen für sich verbuchen konnte. Mit einem Wermutstropfen: Nur ganz wenige Besucher kamen aus Hohenstücken.

Wie hältst du’s mit der Demokratie? Das war die Frage, um die sich am Vormittag die meisten Redebeiträge drehten. Wer mit dem derzeit üblichen AfD-Bashing gerechnet hatte, kam nicht auf seine Kosten. Auch betonten die meisten Teilnehmer ausdrücklich ihre Bereitschaft, ohne ideologische bzw. parteipolitische Scheuklappen diskutieren zu wollen. Oft wurde der Bezug zur eigenen Biografie herausgestellt. Breite Zustimmung ernteten Aussagen wie die folgenden: Je heftiger aktuell von den Regierenden auf die demokratischen Werte gepocht wird, desto geringer erscheint ihre Bereitschaft, sich tatsächlich daran zu halten.

Demokratie bedeutet Volksherrschaft, allerdings in den Grenzen des jeweils herrschenden Gesellschaftssystems. Im antiken Griechenland, der Wiege der Demokratie, wurde deutlich weniger als die Hälfte der Bürger überhaupt zum Volk gerechnet: Frauen und Sklaven zählten nicht. Für demokratische Verfassungen in kapitalistischen Staaten hat der Volksmund den Satz geprägt: „Alle Menschen sind gleich, aber manche sind gleicher.“ Die Führungselite im modernen Neoliberalismus hält sich an die geltenden demokratischen Spielregeln nur so lange, wie diese nicht ihren Machtanspruch und die Berechtigung zu grenzenloser Profitmaximierung infrage stellen. Für den „Durchschnittsbürger“ scheint es mehrheitlich kaum eine Rolle zu spielen, ob ein Beschluss auf diktatorischem oder demokratischem Wege zustande gekommen ist, Hauptsache, die Maßnahme erleichtert seine momentane persönliche Lage. Die Vorstellung greift um sich, diese Lage könne leichter zu bewältigen sein, wenn man sich auf „Lichtgestalten und Sündenböcke“ beruft, an deren einfache Botschaften man gern glauben mag bzw. denen man die Schuld an allen Übeln in die Schuhe schieben kann.

„Es ist Mode geworden“, sagte ein Teilnehmer, „die eigene Meinung absolut zu setzen und Ansichten, die nicht in das persönliche Weltbild passen, unerbittlich als Lüge zu geißeln. Dabei brauchen wir jetzt genau das Gegenteil: Verständnis für andere Sichtweisen, die Bereitschaft, zuzuhören und eigene Überzeugungen zu hinterfragen, Widersprüche auszuhalten, Mitgefühl und Solidarität zu üben.“ Man war sich einig, dass die Parteien und Organisationen des demokratischen Spektrums in Zukunft alles daransetzen müssen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Wie kann das gerade in dem problembeladenen Stadtteil Hohenstücken gelingen?

Auf diese Frage konzentrierten sich die Teilnehmer am Nachmittag. An welche gut angenommenen Veranstaltungen und Initiativen konnte angeknüpft werden? Wie konnten sich die Beteiligten weiter vernetzen und für organisatorische Verstärkung sorgen? Mit welchen Institutionen, Beiräten und Projekten sollte man die Zusammenarbeit vertiefen?