Stilles Gedenken an die Opfer
Seit 1952 erinnert der „Volkstrauertag“ als staatlicher Gedenktag (zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag) an die Opfer von Gewalt, Krieg und Vertreibung, unabhängig davon, welcher Nation sie angehören und ob sie als Zivilisten oder Soldaten in einem Angriffskrieg zu Schaden kamen oder bei der Verteidigung ihrer Heimat. Bis 1990 wurde dieser Tag in der DDR unter dem Titel „Internationaler Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg“ begangen und rückte somit die gesellschaftlichen und politisch-ideologischen Hintergründe in den Vordergrund, ohne die sich die jeweils herrschenden Sicht auf Opfer- und Täterrollen kaum erklären lässt.
In unserer Stadt findet die offizielle Gedenkveranstaltung zum „Volkstrauertag“ jedes Jahr auf dem Friedhof Krematorium statt, wo neben verstorbenen Kriegsgefangenen und Soldaten mehrerer Nationen besonders viele zivile Opfer – Einheimische, Zwangsarbeiter, Flüchtlinge und Vertriebene – ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Vertreter der Stadtverwaltung und der SVV, von Parteien und Organisationen, z.B. der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, sowie der hier stationierten militärischen Einheiten versammelten sich auch an diesem nasskalten Novembertag zu stillem Gedenken und legten Kränze und Blumengebinde nieder. In kurzen Redebeiträgen wurde – vielleicht etwas zu schnell – der Bogen zu gegenwärtigen Kriegsherden, etwa zur Ukraine, geschlagen und auf die mehrheitlich vertretene Lesart Bezug genommen, wo die Opfer und wo die Täter zu suchen sind.
Mit dem gemeinsamen Gesang der Nationalhymne fand die Veranstaltung ihren traditionell bewährten, durchaus würdigen Abschluss.
Uta Sändig für den Kreisverband der Partei Die Linke


