Chemie im Pizzakarton
PFAS sind auch besser bekannt als Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Es gibt über 10.000 verschiedene Chemikalien davon. Sie sorgen im Übrigen dafür, dass Verpackungen (Pizzaschachtel) fettresistent, Regenjacken wasserdicht und Teflonpfannen antihaftbeschichtet sind.
Klingt ja erstmal super nützlich.
Das Problem ist aber, dass diese Stoffe sich weder in der Natur noch im menschlichen Körper abbauen. Die bleiben einfach auf ewig drin.
Deshalb auch der Name: Ewigkeitschemikalien.
Macht das was mit uns?
Kurze Antwort: JA
PFOA ist einer der bekanntesten Vertreter dieser Gruppe und gilt offiziell als krebserregend.
PFOS steht unter dringendem Krebsverdacht. Hinzu kommen Leberschäden, Schilddrüsenprobleme, ein geschwächtes Immunsystem vor allem bei Kindern.
Forschende der UCLA zeigten, dass Frauen mit höheren PFAS-Werten im Blut deutlich schwerer schwanger wurden.
Das Umweltbundesamt bestätigt: Diese Stoffe sammeln sich im Körper an.
Wir erinnern uns, sie gehen nicht weg.
Der BUND hat unser Leitungswasser getestet. In 42 von 46 Proben aus deutschen Haushalten wurden PFAS nachgewiesen.
Die Stoffe sind fast überall.
Was wurde denn bisher unternommen?
Seit dem 12. Januar 2026 gelten erstmals verbindliche Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser, maximal 100 Nanogramm pro Liter. Ein Nanogramm ist ein Milliardstel Gramm. Winzig, aber messbar.
Am 12. August 2026 kam die nächste Regelung. Die EU-Verpackungsverordnung PPWR setzte Grenzwerte für PFAS in allem, was direkt mit Lebensmitteln in Berührung kommt: Pizzakartons, Fastfood-Schalen, beschichtete Papiere. Der Höchstwert lag bei 25 ppb je Einzelsubstanz, also 25 Teile pro Milliarde.
Der Witz ist aber…
Wer seine Lagerbestände rechtzeitig vor dem Stichtag (12.08.2026) aufgebaut hatte, durfte diese einfach weiterverkaufen. Alte Ware, altes PFAS nur mit neuem Datum.
Kontrollen? Weitgehend Fehlanzeige.
Christin Willnat, verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, hatte das Problem bereits am 7. Mai 2026 in ihrer Rede beim Namen genannt.
Nicht die Grenzwerte fehlen ihr, sondern der Wille, diese konsequent durchzusetzen. Die Kosten für PFAS-Schäden in Böden, Trinkwasser und kommunalen Wasserwerken landen übrigens gerade bei denen, die rein gar nichts dafür können.
Nämlich bei Verbraucher:innen, Landwirt:innen und den Gemeinden.
Die Verursacher, also die Unternehmen, die diese Chemikalien jahrzehntelang in Umlauf gebracht haben, kommen davon.
Sie forderte, die gesamte PFAS-Gruppe nach dem Vorsorgeprinzip zu verbieten, also nicht erst, wenn der Schaden bewiesen ist, sondern bevor er überhaupt entsteht.
Zusätzlich forderte sie, einen Entschädigungsfonds einzurichten, finanziert von der Industrie, die das Ganze zu verantworten hat.
Wer den Schaden anrichtet, zahlt auch dafür.
Willnat konkret: „Es gab zwar eine neue Regel ab dem 12. August, aber noch keine Garantie, dass diese auch wirklich ankam. Für echten Schutz der Bevölkerung brauchen wir ein vollständiges PFAS-Verbot statt immer neuer Grenzwerte. Was auch zwingend notwendig ist, ist ein Entschädigungsfonds unter Beteiligung der Industrie und eine Produkthaftung, die die Hersteller in die Pflicht nimmt.“
Die Übergangsregelung für bereits eingelagertes Material muss sofort weg. Wer Ware auf Vorrat produziert hat, darf sie nicht auf Kosten der Gesundheit weiterverkaufen. Es braucht echtes Monitoring und regelmäßige, öffentlich zugängliche Messwerte.
Belastete Böden dürfen nicht weiter landwirtschaftlich genutzt werden, mit voller Entschädigung für die betroffenen Betriebe. Der Bund muss endlich in den Ausbau von Testkapazitäten investieren.

