
Wie hältst du’s mit der Mobilität?
Unsere Veranstaltungsreihe „Leben im Alter“ ging gestern, am 19.09., mit dem Thema Mobilität in die zweite Runde. Den Impulsvortrag hielt Renè Kretzschmar, Vorsitzender der Fraktion die Linke in der SVV und langjähriges Mitglied im Verkehrsausschuss. Erstaunen löste seine einleitend getroffene Feststellung aus, dass der aktuell geltende Nahverkehrsentwicklungsplan (NEP) mittlerweile 8 Jahre auf dem Buckel hat.
Seitdem ist die Einwohnerzahl auf knapp 75.000 angewachsen und die Bevölkerungsstruktur hat sich ebenso verändert (mehr ausländische Mitbürger, gestiegenes Durchschnittsalter) wie der Charakter und die Ausdehnung der Stadtteile. Höchste Zeit also, den alten NEP einer gründlichen Revision zu unterziehen. Mit einer Fortschreibung des alten Plans bei Berücksichtigung einiger Aktualisierungen ist es demzufolge nicht getan. Andererseits profitiert unserer Stadt von einer in mancherlei Hinsicht recht günstigen Ausgangssituation, z.B. verfügt sie über ein einigermaßen zweckdienlich ausgebautes Wegenetz und als einzige mittelgroße Stadt Deutschlands über eine Straßenbahn, die gut instand gehalten und aktuell mit 6 modernen Triebwagen nachgerüstet wurde.
Die Linke hat vor, möglichst schon zur nächsten SVV zusammen mit den Grünen einen Antrag einzureichen, der die Aufstellung eines neuen NEP in die Wege leiten soll.
Die Teilnehmer der Veranstaltung ließen sich denn auch nicht lange bitten, ihre Vorstellungen von einem Mobilitätskonzept für Brandenburg an der Havel darzulegen, das umweltgerecht sowie finanziell leistbar sein soll und die Bedürfnisse a l l e r Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. Vielfach bekräftigt wurde z. B. der alte, bislang uneingelöste Wunsch, die Angebote von Bus und Bahn für die Morgen- und Abendstunden zu erweitern und auf den am meisten frequentierten Strecken eine Taktverdichtung zu realisieren. Gefordert wurde auch, die Anschlüsse zwischen Bus, Straßenbahn und dem RE 1 am Hauptbahnhof und an weiteren Knotenstellen zu optimieren. Angeregt wurde, das begonnene Konzept für barrierefreie Haltestellen und Fahrzeuge konsequent weiterzuentwickeln und dabei besonders die Bedürfnisse der älteren und mobilitätseingeschränkten Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen. Außerdem sei es höchste Zeit, sich einen realistischen Überblick zu verschaffen über die tatsächlichen Fahrgastzahlen, die Auslastung auf bestimmten Strecken sowie über die Kosten je Linie, und daraus Schlussfolgerungen für ein zukunftsfestes Mobilitätskonzept abzuleiten.
Einen größeren Raum nahm die Diskussion von ergänzenden Angeboten ein. Zu prüfen wäre die Bereitstellung von sog. Ruftaxis, wie sie in einigen – allerdings meist größeren – Städten schon erfolgreich praktiziert wird. Apropos Taxis: Derzeit wird nur die Hälfte der Lizenzen, die die Stadtverwaltung zu vergeben hat, in Anspruch genommen – ein sowohl für potenzielle Kunden als auch für nicht praktizierende Taxifahrer höchst unbefriedigender Zustand, der eine Satzungsänderung der Taxigebührenordnung zwingend nahelegt.
Als ergänzendes Angebot des ÖPNV wurde außerdem die Anschaffung einiger Kleinbusse diskutiert, um auch für weniger frequentierte, aber wichtige Teilstrecken bzw. Verbindungsstücke zwischen zwei Linien ein Beförderungsangebot vorhalten zu können. Profitieren sollten davon vor allem die stiefmütterlich behandelten Randbezirke und die eingemeindeten Dörfer.
In der lebhaften, über zwei Stunden andauernden Diskussionen kamen weitere Probleme zur Sprache. Genannt seien hier nur noch die Beförderung von Schulkindern zu dem geplanten Campus am Wiesenweg, die verkehrstechnischen Schwierigkeiten, eine Buslinie zum Krankenhaus in der Hochstraße einzurichten und der Wunsch vieler älterer Mitbürger nach Beibehaltung nicht-digitalisierter Zugangsmöglichkeiten zu den Angeboten des ÖPNV.
René Kretzschmar äußerte am Schluss den Wunsch, eine Runde wie diese bei Gelegenheit zu wiederholen, dabei jeweils den Stand des Erreichten zu reflektieren und weitere Ideen von möglichst vielen Bürgern in ein Maßnahmenpaket einzubeziehen, das bis 2030/35 gelten könnte.
Eine herzliche Einladung an alle interessierten Einwohner sei schon heute ausgesprochen.

