Erinnern an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953

Brandenburg an der Havel gedachte gestern, wie schon in den vergangenen Jahren, der Opfer des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953. An historische Stätte, im Innenhof der jetzigen Oberstaatsanwaltschaft, Steinstraße 61, legten Repräsentanten der Stadtführung und Vertreter von Parteien, Organisationen und Institutionen Blumengebinde nieder.

Unsere Stadt gehört zu den Orten, wo der Protest der Arbeiter und Angestellten gegen die willkürlichen Arbeitsnormerhöhungen der Regierung besonders heftig war und in der Forderung nach freien Wahlen gipfelte. Etwa 15.000 Brandenburger schlossen sich dem Demonstrationszug durch die Innenstadt an. Nachdem sie die SED-Kreisleitung besetzt hatten, stürmten sie das damalige Amtsgericht in der Steinstraße und befreiten die 42 dort inhaftierten politischen Gefangenen. Als sie danach in das Volkspolizeikreisamt eindrangen, fielen Schüsse und es gab Verletzte und Schwerverletzte. Der Aufstand wurde von sowjetischen Truppen und der DDR-Staatssicherheit im Keim erstickt und endete für 72 Bürger mit Repressalien, Verhaftungen und Gefängnisstrafen von bis zu 16 Jahren.

Generalstaatsanwalt Robert Wilkening und Oberbürgermeister Daniel Keip würdigten in kurzen Reden den Mut der damaligen Demonstranten, für Freiheit, Demokratie und die westlichen Werte auf die Straße gegangen zu sein, und schlugen den Bogen zur friedlichen Revolution von 1989. Angesichts des gegenwärtigen Zustandes dieser Errungenschaften und der akuten Gefährdung demokratischer Standards wünscht man sich die Wucht und Entschlossenheit der Demonstranten von damals zurück.