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Schutz der Bevölkerung im Licht der Lockerung der Maßnahmen: Testen, Testen, Testen!

Ein Diskussionsbeitrag von Andrea Johlige und Ronny Kretschmer

Die Corona-Pandemie hält das Land weiter in Atem. Der Lockdown neigt sich dem Ende zu. Kitas und Schulen nähern sich dem Normalbetrieb und Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe können unter Auflagen wieder öffnen. Kontakt- und Reisebeschränkungen werden gelockert, Einschränkungen beim Versammlungsrecht und dem Recht auf freie Religionsausübung ebenfalls.

Dadurch wird der Eindruck erweckt, die Pandemie wäre besiegt, das Schlimmste überstanden. Dies ist trügerisch.

Noch immer wissen wir zu wenig über das Virus. Die wissenschaftlichen Hinweise mehren sich, dass es nicht nur eine Erkrankung der Atemwege sondern auch komplexe Schädigungen im Gefäßsystem und an diversen Organen hervorrufen kann. Und diese scheinen nicht nur bei Personen mit einem sogenannten schweren Verlauf aufzutreten. Insofern zeigt sich immer mehr, dass es sich um einen sehr gefährlichen Erreger handelt, der keinesfalls unterschätzt werden darf.

Mittlerweile scheint auch klar, dass das Virus neben der Tröpfchen- und Schmierinfektion auch über Aerosole, also die Atemluft übertragbar ist. Gerade in geschlossenen Räumen, in denen viele Menschen zusammenkommen, besteht also ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Der Lockdown hat uns Zeit verschafft. Das Infektionsgeschehen konnte stark eingedämmt werden. Insofern war die bisherige Strategie erfolgreich. Doch stellen sich uns angesichts der starken Lockerungen in allen Lebensbereichen wichtige Fragen: Welche Strategie zur Eindämmung des Infektionsgeschehens verfolgt Deutschland, verfolgt Brandenburg eigentlich gerade? Wie soll die Bevölkerung auch weiterhin vor Ansteckung geschützt werden? Zwar werden bestimmte Regelungen – Abstandsregeln, Maskenpflicht, Verbot von Großveranstaltungen – erst einmal aufrechterhalten. Doch reicht das aus?

Wir wissen, dass der politische Druck aus der Bevölkerung aktuell massiv ist und Politik um Lockerungen gar nicht herumkommt, da die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Beschränkungen sinkt und der Wunsch nach Normalität stärker wird. Brandenburg kann sich diesem Druck nicht entziehen, auch, weil andere Bundesländer vorangehen.

Dennoch ist klar: Ein Zurück zur bisherigen Normalität kann und wird es nicht geben. Es wird eine neue Normalität brauchen und der der Staat hat den Gesundheitsschutz der Bevölkerung unter den neuen Bedingungen zu gewährleisten. Aus unserer Sicht wird er dem jedoch gerade nicht gerecht. Es droht ein erneutes, unkontrolliertes Infektionsgeschehen, bei dem Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind.

Aus unserer Sicht kann es deshalb – neben dem Bestehenbleiben der Abstandsgebote, Hygienevorschriften, der Maskenpflicht und dem Verbot von Großveranstaltungen – nur eine Strategie geben: Testen, Testen, Testen!

Am Anfang der Pandemie fehlten überall in Deutschland Testkapazitäten. Auch deshalb war der Lockdown notwendig. Mittlerweile sind diese Testkapazitäten jedoch vorhanden. Mehr als eine Million Tests können aktuell in Deutschland wöchentlich durchgeführt werden (täglich knapp 160 Tsd.). Nur werden diese Kapazitäten nicht genutzt. In der vergangenen Woche fanden nur 425 Tsd. Testungen deutschlandweit statt. Damit wird gerade angesichts der Lockerungen das einzige Instrument zum schnellen Erkennen von Infektionsclustern und damit der Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten aus der Hand gegeben. Der Lockdown – mit allen wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen – war jedoch umsonst, wenn nun ein unkontrollierbares Infektionsgeschehen in Kauf genommen wird, weil das Instrument des Screenings nicht konsequent eingesetzt wird.

Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass gerade die Länder, die auf konsequentes Screening gesetzt haben – Südkorea, Island, China und Israel – die Pandemie effektiv in den Griff bekommen haben bzw. gerade bekommen, da sie Neuinfektionen sehr schnell erkennen und Quarantänemaßnahmen ergreifen können.

Aus unserer Sicht müssen die vorhandenen Testkapazitäten vollständig und strategisch sinnvoll eingesetzt und weiter ausgebaut werden. Immer dort, wo viele Menschen über längere Zeit zusammenkommen oder wo Mindestabstände nicht eingehalten werden können, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Das gilt für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, KiTas und Schulen, Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete und Erntehelfer*innen aber auch für weitere besonders gefährdete Berufsgruppen. weiterlesen


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