{"id":2900,"date":"2026-08-13T13:47:12","date_gmt":"2026-08-13T11:47:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/?p=2900"},"modified":"2026-08-13T13:47:12","modified_gmt":"2026-08-13T11:47:12","slug":"chemie-im-pizzakarton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/?p=2900","title":{"rendered":"Chemie im Pizzakarton"},"content":{"rendered":"<p>PFAS sind auch besser bekannt als Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Es gibt \u00fcber 10.000 verschiedene Chemikalien davon. Sie sorgen im \u00dcbrigen daf\u00fcr, dass Verpackungen (Pizzaschachtel) fettresistent, Regenjacken wasserdicht und Teflonpfannen antihaftbeschichtet sind.<br \/>\nKlingt ja erstmal super n\u00fctzlich.<br \/>\nDas Problem ist aber, dass diese Stoffe sich weder in der Natur noch im menschlichen K\u00f6rper abbauen. Die bleiben einfach auf ewig drin.<br \/>\nDeshalb auch der Name: Ewigkeitschemikalien.<br \/>\nMacht das was mit uns?<\/p>\n<p>Kurze Antwort: JA<\/p>\n<p>PFOA ist einer der bekanntesten Vertreter dieser Gruppe und gilt offiziell als krebserregend.<br \/>\nPFOS steht unter dringendem Krebsverdacht. Hinzu kommen Lebersch\u00e4den, Schilddr\u00fcsenprobleme, ein geschw\u00e4chtes Immunsystem vor allem bei Kindern. <\/p>\n<p>Forschende der UCLA zeigten, dass Frauen mit h\u00f6heren PFAS-Werten im Blut deutlich schwerer schwanger wurden.<br \/>\nDas Umweltbundesamt best\u00e4tigt: Diese Stoffe sammeln sich im K\u00f6rper an.<br \/>\nWir erinnern uns, sie gehen nicht weg.<br \/>\nDer BUND hat unser Leitungswasser getestet. In 42 von 46 Proben aus deutschen Haushalten wurden PFAS nachgewiesen.<br \/>\nDie Stoffe sind fast \u00fcberall.<\/p>\n<p>Was wurde denn bisher unternommen?<br \/>\nSeit dem 12. Januar 2026 gelten erstmals verbindliche Grenzwerte f\u00fcr PFAS im Trinkwasser, maximal 100 Nanogramm pro Liter. Ein Nanogramm ist ein Milliardstel Gramm. Winzig, aber messbar.<br \/>\nAm 12. August 2026 kam die n\u00e4chste Regelung. Die EU-Verpackungsverordnung PPWR setzte Grenzwerte f\u00fcr PFAS in allem, was direkt mit Lebensmitteln in Ber\u00fchrung kommt: Pizzakartons, Fastfood-Schalen, beschichtete Papiere. Der H\u00f6chstwert lag bei 25 ppb je Einzelsubstanz, also 25 Teile pro Milliarde.<br \/>\nDer Witz ist aber\u2026<\/p>\n<p>Wer seine Lagerbest\u00e4nde rechtzeitig vor dem Stichtag (12.08.2026) aufgebaut hatte, durfte diese einfach weiterverkaufen. Alte Ware, altes PFAS nur mit neuem Datum.<br \/>\nKontrollen? Weitgehend Fehlanzeige.<\/p>\n<p>Christin Willnat, verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, hatte das Problem bereits am 7. Mai 2026 in ihrer Rede beim Namen genannt.<br \/>\nNicht die Grenzwerte fehlen ihr, sondern der Wille, diese konsequent durchzusetzen. Die Kosten f\u00fcr PFAS-Sch\u00e4den in B\u00f6den, Trinkwasser und kommunalen Wasserwerken landen \u00fcbrigens gerade bei denen, die rein gar nichts daf\u00fcr k\u00f6nnen.<br \/>\nN\u00e4mlich bei Verbraucher:innen, Landwirt:innen und den Gemeinden.<br \/>\nDie Verursacher, also die Unternehmen, die diese Chemikalien jahrzehntelang in Umlauf gebracht haben, kommen davon.<br \/>\nSie forderte, die gesamte PFAS-Gruppe nach dem Vorsorgeprinzip zu verbieten, also nicht erst, wenn der Schaden bewiesen ist, sondern bevor er \u00fcberhaupt entsteht.<br \/>\nZus\u00e4tzlich forderte sie, einen Entsch\u00e4digungsfonds einzurichten, finanziert von der Industrie, die das Ganze zu verantworten hat.<br \/>\nWer den Schaden anrichtet, zahlt auch daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Willnat konkret: \u201eEs gab zwar eine neue Regel ab dem 12. August, aber noch keine Garantie, dass diese auch wirklich ankam. F\u00fcr echten Schutz der Bev\u00f6lkerung brauchen wir ein vollst\u00e4ndiges PFAS-Verbot statt immer neuer Grenzwerte. Was auch zwingend notwendig ist, ist ein Entsch\u00e4digungsfonds unter Beteiligung der Industrie und eine Produkthaftung, die die Hersteller in die Pflicht nimmt.&#8220;<\/p>\n<p>Die \u00dcbergangsregelung f\u00fcr bereits eingelagertes Material muss sofort weg. Wer Ware auf Vorrat produziert hat, darf sie nicht auf Kosten der Gesundheit weiterverkaufen. Es braucht echtes Monitoring und regelm\u00e4\u00dfige, \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Messwerte. <\/p>\n<p>Belastete B\u00f6den d\u00fcrfen nicht weiter landwirtschaftlich genutzt werden, mit voller Entsch\u00e4digung f\u00fcr die betroffenen Betriebe. Der Bund muss endlich in den Ausbau von Testkapazit\u00e4ten investieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PFAS sind auch besser bekannt als Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Es gibt \u00fcber 10.000 verschiedene Chemikalien davon. Sie sorgen im \u00dcbrigen daf\u00fcr, dass Verpackungen (Pizzaschachtel) fettresistent, Regenjacken wasserdicht und Teflonpfannen antihaftbeschichtet sind. Klingt ja erstmal super n\u00fctzlich. Das Problem ist aber, dass diese Stoffe sich weder in der Natur noch im menschlichen K\u00f6rper abbauen. 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