{"id":1207,"date":"2024-05-01T15:35:52","date_gmt":"2024-05-01T13:35:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/?p=1207"},"modified":"2024-05-01T15:36:34","modified_gmt":"2024-05-01T13:36:34","slug":"das-jugendforum-brandenburg-und-die-einfachen-wahrheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/?p=1207","title":{"rendered":"Das Jugendforum Brandenburg und die einfachen Wahrheiten"},"content":{"rendered":"<p>Sie nennen sich \u201cRote Jugend\u201c, \u201eRevolution\u201c, \u201eSozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ)\u201c, \u201eDer Funke\u201c, \u201eJugend f\u00fcr Sozialismus\u201c, \u201eInternationalistische Jugendkommune\u201c oder auch \u2013 mit ironischem Augenzwinkern &#8211; \u201eBranne Bande\u201c und haben keine Bedenken, Begriffe aus dem Wortschatz des Marxismus-Leninismus und der Arbeiterbewegung zu gebrauchen, die von \u00e4lteren Mitb\u00fcrgern in der Mehrheit f\u00fcr endg\u00fcltig diskreditiert oder \u00fcberholt gehalten werden.<\/p>\n<p>Sie nennen ihre Mitstreiter Genossen und sind davon \u00fcberzeugt, dass nur ein gut organisierter, von den Massen getragener Klassenkampf die revolution\u00e4re Umwandlung der kapitalistischen Ordnung in eine sozialistische bewirken kann. Sie sprechen von der alternativlosen Notwendigkeit einer solchen Revolution als dem einzigen Weg, den Untergang dieser Welt in Krieg und Chaos zu verhindern.<\/p>\n<p>Wer nach dieser Beschreibung an ein spinnertes Tr\u00fcppchen unreifer Radikalinskis denkt, der irrt gewaltig. Die knapp 70 Jugendlichen, fast alle zwischen 16 und 30, aus Brandenburg und Berlin, die am vergangenen Sonntag auf Einladung des \u201eJugendforums Brandenburg\u201c zum \u201e<strong>Bildungskongress<\/strong>\u201c ins HdO gekommen waren, wollten sich in verschiedenen Vortr\u00e4gen, Foren und Workshops weiterbilden und waren bereit, an diesem sommerlichen Apriltag ein anspruchsvolles Programm abzuarbeiten, das \u00fcberwiegend von Vertretern aus ihrer Mitte realisiert wurde, den Vortrag von Dr. Sylvia de Pasquale, Leiterin der Gedenkst\u00e4tten Brandenburg an der Havel, einmal ausgenommen. Es ging um Grundfragen der marxistisch-leninistischen Theorie, um die Geschichte der Arbeiterbewegung in der 1. H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts und Gr\u00fcnde f\u00fcr ihre Zersplitterung, um Erinnerungskultur und um eine Demokratie ohne hierarchische Strukturen und Privilegien f\u00fcr eine Machtelite.<\/p>\n<p>In den Pausen kam ich mit vielen Teilnehmern ins Gespr\u00e4ch, z.B. wollte ich gern wissen, wie sie zu ihrer Weltanschauung, die so gar nicht dem Mainstream entspricht, gekommen seien. Meine Vermutung, dass es sich oft um eine \u201evererbte\u201c \u00dcberzeugung handele, traf nicht zu. \u201eMein Vater ist Banker\u201c, sagte ein junger Facharbeiter aus Berlin schmunzelnd und eine 17-j\u00e4hrige Gymnasiastin erkl\u00e4rte: \u201eIch habe lange gesucht, war erst im CVJM, dann bei den Gr\u00fcnen, \u2026 \u00ad aber schlussendlich f\u00fchlte ich mich bei den Sozialisten am wohlsten.\u201c \u201eDie nennen die Dinge beim Namen\u201c, erg\u00e4nzte ihre Freundin, \u201edie sagen: Soziale Gerechtigkeit vertr\u00e4gt sich nicht mit Ausbeutung und Frieden nicht mit Aufr\u00fcstung.\u201c Seltsam, dass vielen \u00e4lteren Mitb\u00fcrgern der Sinn f\u00fcr solche einfachen Wahrheiten abhandengekommen ist. Umso wichtiger, der Jugend zuzuh\u00f6ren und ihre \u00dcberlegungen ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>Das f\u00e4llt nicht immer leicht, zumal wenn man seine eigene Lebenserfahrung in die Waagschale wirft: \u201eMeint ihr wirklich\u201c, so meine Frage an eine der Gruppierungen, \u201edass eine straff organisierte, in Theorie und Praxis optimal ausgebildete Gruppe von Berufsrevolution\u00e4ren das geeignete Mittel ist, um zu einer Einheitsfront gegen den Neoliberalismus zu kommen? W\u00fcrde damit nicht erneut, wie in der DDR, eine Diktatur der Bonzen entstehen, die ihr Staatsvolk g\u00e4ngeln und zwangsbegl\u00fccken und ansonsten mit der Mehrung der eigenen Privilegien besch\u00e4ftigt sind?\u201c In einer anderen Runde wurde die Frage aufgeworfen, ob man nicht von einer unrealistischen Idealvorstellung des menschlichen Charakters ausgehe, der nur die richtigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen brauche, um auf Egoismus, Missgunst, Gier und Intrige zu verzichten und sich nach den Regeln von Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit zu entfalten. Auff\u00e4llig sei doch nach der Wende gewesen, wie leicht sich die meisten Ostdeutschen von den Maximen einer \u201eallseits gebildeten sozialistischen Pers\u00f6nlichkeit\u201c verabschiedet h\u00e4tten, wie schnell Gemeinsinn, Solidarit\u00e4t und die Sicht auf das \u201eGro\u00dfe Ganze\u201c in den Hintergrund geraten seien.<\/p>\n<p>Es gibt eben Fragen, die sich jede Generation erneut stellen muss und f\u00fcr deren Beantwortung der R\u00fcckgriff auf die Erfahrungen der Altvorderen nicht ausreicht, um die Zukunft zu meistern. Nach diesem Bildungskongress, den Jannis und seine Freunde vom Jugendforum souver\u00e4n vorbereitet hatten, ist mein Vertrauen in die Kompetenzen unserer Jugend \u2013 jedenfalls ihrer fortschrittlichsten Vertreter \u2013 gewachsen: Sie werden geeignete Wege finden, um mit den Problemen fertigzuwerden, die wir ihnen eingebrockt haben.<\/p>\n<p>Dr. Uta S\u00e4ndig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie nennen sich \u201cRote Jugend\u201c, \u201eRevolution\u201c, \u201eSozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ)\u201c, \u201eDer Funke\u201c, \u201eJugend f\u00fcr Sozialismus\u201c, \u201eInternationalistische Jugendkommune\u201c oder auch \u2013 mit ironischem Augenzwinkern &#8211; \u201eBranne Bande\u201c und haben keine Bedenken, Begriffe aus dem Wortschatz des Marxismus-Leninismus und der Arbeiterbewegung zu gebrauchen, die von \u00e4lteren Mitb\u00fcrgern in der Mehrheit f\u00fcr endg\u00fcltig diskreditiert oder \u00fcberholt gehalten werden. <a href=\"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/?p=1207\" class=\"more-link\" data-post-id=\"1207\">weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &#8222;Das Jugendforum Brandenburg und die einfachen Wahrheiten&#8220;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[33,3],"tags":[],"class_list":["post-1207","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbrief","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1207"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1207\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1208,"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1207\/revisions\/1208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dielinke-stadt-brb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}