Ein Beispiel aus dem Havelland
Trotz der rückläufigen Arbeitslosigkeit ist es gerade für ältere Langzeitarbeitslose nach wie vor sehr schwierig, eine berufliche Perspektive zu finden. Das belegen auch die Zahlen der Arbeitsmarktstatistik. Während die Gesamtzahl der Arbeitslosen im Land Brandenburg in den vergangenen zwölf Monaten um zwölf Prozent zurückging, nahm die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der über 50-Jährigen nur um sechs Prozent ab. Landesweit gibt es knapp 50 000 ältere Arbeitslose, an denen die positiven Trends des ersten Arbeitsmarktes vorbei gehen. Deshalb haben SPD und Linke in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, öffentlich geförderte Beschäftigung insbesondere für ältere Langzeitarbeitslose zu schaffen.
Zu den ersten Brandenburgern, die durch die Initiative der rot-roten Koalition eine Existenz sichernde Arbeit im öffentlich geförderten Beschäftigungssektor erhielten, ist Joachim Hipke aus Rathenow. Seit 1. August arbeitet der 53-Jährige im Projekt „Havelkieker“ der Arbeitsförderungsgesellschaft Premnitz mbH. Gemeinsam mit sechs weiteren vormals Langzeitarbeitslosen befasst er sich mit der alten Handwerkstechnik des Korbflechtens. Im Rahmen des Projekts „Havelkieker“ sollen Outdoor-Möbel aus Weidenruten hergestellt werden, die u.a. während der Bundesgartenschau 2015 in der Havelregion von den Besuchern genutzt werden können.
In den ersten Wochen erlernten die Teilnehmer des Projekts „Havel-Kieker“ unter Anleitung ihres Dozenten Michael Schröder die Grundlagen des Korbflechtens. Es entstanden Körbe, Schalen und Gefäße verschiedener Größe. Demnächst werden die Teilnehmer die Herstellung größerer Objekte in Angriff nehmen. Dozent Schröder ist optimistisch, denn bisher haben alle Teilnehmer die handwerklichen Herausforderungen bestanden.
Doch nicht nur handwerkliche Fertigkeit sollen vermittelt werden. „Materialauswahl, Einkauf und Kalkulation gehören ebenfalls zu den Aufgaben, mit denen die Projektteilnehmer vertraut gemacht werden sollen“, so Heinz Beier, Prokurist der Arbeitsförderungsgesellschaft Premnitz mbH.
Joachim Hipke ist mit seiner neuen Beschäftigung zufrieden. „Ich bin von Beruf Brillenoptiker und Trockenbauer, war arbeitslos und auch schon als Ein-Euro-Jobber tätig. Meine jetzige Tätigkeit ist eine echte Herausforderung, weil ich praktisch einen neuen Beruf erlerne und perspektivisch die Chance sehe, nach Projektende damit auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Außerdem finde ich es gut, dass Förderprogramm insbesondere auf über 50-Jährige ausgerichtet ist“, so der Rathenow. Übrigens ist Joachim Hipke durch Eigeninitiative zu seiner neuen Arbeit gekommen. „Ich habe vom Förderprogramm „Arbeit für Brandenburg“ in der Zeitung gelesen und mich dann ans ILZ Havelland gewandt.“
Auch der Rathenower Landtagsabgeordnete Christian Görke ist über den erfolgreichen Start des Programms „Arbeit für Brandenburg“ in der Region erfreut. „Ich hoffe, dass weitere Kommunen und Vereine dieses Arbeitsmarktprogramm nutzen, um älteren Arbeitslosen eine neue berufliche Perspektive zu geben“, erklärt Görke.
Zahlen, Daten, Fakten
Bislang wurden 745 Stellen im von der rot-roten Regierung aufgelegten Programm "Arbeit für Brandenburg" beantragt. Ursprünglich sollten nach dem Willen der Regierung in diesem Jahr 1200 Langzeitarbeitslose über das Programm einen sozialversicherungspflichtigen Job erhalten.
Die Beschäftigten erhalten einen Stundenlohn von mindestens 7,50 Euro, um ihnen ein Existenz sicherndes Einkommen zu gewähren. Gefördert wird das Beschäftigungs-verhältnis zwei Jahre. Arbeitgeber können Kommunen – also Landkreise, Städte, Gemeinden und Ämter, aber auch Verbände, Vereine und Arbeitsfördergesellschaften sein.
Das Programm ist eines der zentralen Vorhaben von den LINKEN und der SPD. Die Koalition hatte im Herbst 2009 vereinbart, 40 Millionen Euro für einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor bereitzustellen. Bis 2014 sollen 8000 Langzeitarbeitslose geförderte Jobs in Kommunen und bei Verbänden erhalten. Zum Start am 1. Juli hatte Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) die Zahl auf 6500 reduziert, denn das Programm hängt wesentlich von Förderzusagen des Bundes ab.