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15. Mai 2018 Linksjugend ['solid] Brandenburg an der Havel

Schule ohne Rassismus – wir lassen uns nicht einschüchtern

Kleine Gruppe von linken jungen Menschen übte friedlichen Protest gegen den Auftritt von Meuthen.

Am vergangenen Mittwoch beging das Von Saldern Gymnasium seinen alljährlichen Europatag. Dabei war eine der von Schüler*innen organisierte Veranstaltung eine Diskussionsrunde mit Politiker*innen zum Thema „Sicherheit in Europa“. Geladen waren die Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg (für DIE LINKE), Dietlind Tiemann (CDU) und Linda Teuteberg (FDP), sowie die Landtagsabgeordneten Ralf Holzschuher (SPD) und Marie-Luise von Harlem (Grüne). Für die meiste Aufregung sorgte aber bereits im Vorfeld der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Partei AfD, Jörg Meuthen. Dieser ist dafür bekannt, dass er sich seltener zu offen rassistischen Aussagen hinreißen lässt. Vielmehr vermengt er Abstiegsängste von Menschen mit Fremdenfeindlichkeit. So hält er beispielweise den demographischen Wandel für überbewertet - weniger Menschen seien schließlich auch besser, dabei ist klar von welchen Menschen es weniger geben sollte. Dies wird natürlich nicht von dem erfahrenen Politiker ausgesprochen, sondern bleibt hinter der Fassade der vermeidlichen Rationalität. Die Länder, aus denen die Menschen aus ökonomischer Not flüchten, brauchen schließlich auch ihre Fachkräfte, beteuert er. Nur kurz lässt er seine eigentliche Einstellung durchblicken, wenn er konstatiert, Deutschland sollte nicht zum 2. Afrika werden. Diese Aussage ist weit von jeder Vernunft entfernt. Die meisten Geflüchteten kommen schließlich weder aus Afrika, noch wollen alle der Menschen, die herkommen, hierbleiben. Die meisten der Geflüchteten kommen vielmehr gar nicht in Europa an, halten ihm die linken Diskutant*innen entgegen. Vielmehr müsste es eine solidarische Asylpolitik geben, die Staaten unterstützt, die viele Geflüchtete aufnehmen. Darüber hinaus müssen Fluchtursachen bekämpft werden. Eine der größten ist immer noch der Konflikt in Syrien. Dieser bewegt auch die Schülerinnen und Schüler am Von-Saldern Gymnasium. Auf die Frage, wie Meuthen denn diese Fluchtursache bekämpfen würde, weicht er aus . Kein Wunder, denn eine Antwort hat die AfD auch nicht. Es bleibt bei bloßer Abschottungsrhetorik ohne das Aufzeigen von Alternativen. Viele der Schüler*innen durchschauen dies, dafür mag die Diskussion gut gewesen sein. Und auch obwohl Meuthen recht blass in der Debatte wirkte, generierte sein Auftritt eine Menge Aufmerksamkeit für ihn und seine Partei. Erneut können sie es sich in ihrer geliebten Opferrolle des Außenseiter bequem machen. Der Medienandrang zeigte, dass diese Strategie funktioniert. 

Lediglich eine kleine Gruppe linker junger Menschen stand vor dem Gymnasium artikulierte offen ihre Ablehnung. Auch intern soll es einige Schüler*innen gegeben haben, die der Einladung von AfD Mitgliedern kritisch gegenüber standen, sie wollten sich jedoch nicht öffentlich äußern. Hinter den Kulissen berichteten sie aber, dass Druck auf sie ausgeübt wurde, ihre Meinung zurück zu halten und die Verantwortlichen für die vorab verteilten Flyer zu benennen.

"Mir wurde von einer Lehrerin angeboten schulische Vorteile zu erhalte, wenn ich ihr verrate wer hinter den Flyern gegen die AfD steckt." berichtet ein Schüler des Gymnasiums, "Dafür das wir friedlich unsere Meinung kund getan haben, gab es eine Menge Ärger." Ein solches Vorgehen der Schule ist zu verurteilen. Laut Aussagen der Demonstrat*innen auf der Straße zeigte Schulleiter Reuß sie an, da sie ein Plakat mit der Aufschrift „Schule mit Rassisten, Schulleiter ohne Courage“ hochhielten. Das mag nicht jedem gefallen, jedoch beteuerte Reuß vorab, dass die Schüler*innen sich selbst eine Meinung bilden können sollten und dass es daher auch okay sei die AfD einzuladen. Wenn dies ernstgemeint ist, muss man aber auch alle Meinungen zulassen und Gegenwehr  aushalten. Auch das gehört zur Demokratie - freie Meinungsäußerung.