Dr. Uta Sändig

Jahrgang 1951


Beruf:       Diplomlehrerin für Deutsch und Kunsterziehung
Tätigkeit:  Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an der Uni Potsdam

Anspruch

Links zu denken und zu fühlen wurde mir nicht unbedingt in die Wiege gelegt, denn ich stamme aus einer streng neuapostolischen Brandenburger Familie (mein Vater war immerhin Vorsteher der Hauptgemeinde am Packhof).
Als ich mit 18 aus der Kirche austrat und noch am gleichen Tag meinen Antrag auf SED-Mitgliedschaft abgab, war das für meine Familie ein kleiner Weltuntergang und für mich ein logischer Schritt. Dass dieser Schritt vielleicht doch nicht ganz so logisch war – ich hatte nämlich nur die eine Religion durch eine andere ersetzt –, wurde mir einige Jahre später klar. Seitdem hatte ich dann auch Schwierigkeiten mit meiner Partei, die in einem Parteiverfahren mit Strafversetzung  gipfelten, weil ich als junge Lehrerin öffentlich die Bierman-Ausbürgerung kritisiert hatte. Ich kann Biermann bis heute nicht leiden, finde ihn einen vielfach überschätzten Liedermacher – aber die Art und Weise, wie man ihn damals abschob, fand ich ein Armutszeugnis für die DDR.

Meine Strafversetzung erwies sich als unfreiwilliger Glücksgriff, denn am neu gegründeten „Institut zur Weiterbildung ausländischer Deutschlehrer“ konnte ich im täglichen Umgang mit Menschen aus den Bruderländern meinen Horizont erweitern. Mich weiter qualifizieren durfte ich allerdings nicht wegen des dicken Fleckes auf der Kaderweste. Ich promovierte deshalb ganz privat und ganz nebenbei und fand am Ende doch noch einen beherzten Betreuer, der sich mein „Summa cum Laude“ als seinen Verdienst anrechnen konnte. Als sich nach der Wende ach so viele Genossen für „belogen und betrogen“ erklärten und ganz  schnell austraten, sagte mir mein Dickkopf: „Jetzt bleibst du erst recht.“ Zumal zum Lügen und Betrügen ja immer zwei gehören.

Warum sollte ich mich öffentlich für blöd erklären? Kurzum, ich bin bei den LINKEN nicht nur wegen ihrer Positionen, sondern teilweise auch trotz ihrer nicht nur ruhmreichen Vergangenheit. Ich bin bei den LINKEN, weil ich diese Ellenbogen-Demokratie für ziemlich undemokratisch  halte und vor allem die von Staats wegen geförderte Ungleichmacherei für ein großes, die Gesellschaft vergiftendes Übel. Die Gleichmacherei der Sozialisten war allerdings auch ein Übel – aber das ist ein anderes Thema.

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